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Placebo in der Medizin


Placebo in der Medizin

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Bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts ist Plazebo als ein Kuriosum, ein humananthropologisches Rätsel, oder ein an sich uninteressantes Hilfsmittel bei pharmakologischen Prüfungen betrachtet worden. Langsam richtete sich die Aufmerksamkeit psychologischer und medizinischer Forschungen auf die Natur und Regelmässigkeit der seltsamen, überraschend grossen und messbaren – Wirkung von inerten chemischen Substanzen und in der Wirklichkeit ineffektiven medizinischen Eingriffen.

Zurückblickend ist es paradoxal, dass das Plazebo-Phänomenon so lange nicht als ein wichtiges Problem, als eine aktuelle Frage der heilenden Tätigkeiten bzw. der ärztlichen Arbeit bewertet worden ist. Niemand hat sich darüber gewundert, warum so viele somatische und psychische Symptome und Beschwerden infolge von Plazebo verschwinden, warum alle Menschen – wenn auch in verschiedenem Masse – Plazeboreaktionen zeigen, und warum alles wirksam ist, woran der behandelnde Arzt ernsthaft glaubt (daher ist bei klinischen Pharmaforschungen ein doppelblindes Kontrollverfahren notwendig). Nur wenige haben auch die Kehrseite des Plazebos, die sog. Nozebo-Wirkung, erkannt. Überhaupt hat man diese Erscheinung nur anhand von kulturanthropologischen Untersuchungen entdeckt, und allmählich gelernt, diese von einfachen therapeutischen Misserfolgen und neurotischen Reaktionen der Kranken zu unterscheiden.

Plazebo ist in der letzten Zeit hauptsächlich durch die Auseinandersetzung über die Wirksamkeit von antidepressiven Medikamenten eine brennende Frage geworden. Irving Kirsch und andere haben auf Grund Ihrer Forschungsarbeit und Metaanalysen das Konzept des aktiven Plazebos beschrieben und haben die These aufgeworfen, dass der kleine (ungefähr zehnprozentige) Unterschied zwischen Wirkung von Antidepressiva und Plazebo durch das Prinzip des aktiven Plazebos erklärbar sei, da antidepressive Substanzen immer deutliche und spürbare Veränderungen im Körper und Bewusstsein hervorrufen (z.B. vegetative Reaktionen, Erregung, Spannung, Müdigkeit, usw.).

Depression ist heute eine Modekrankheit der Medizin bzw. der Psychiatrie, 50-60 Prozent der Bevölkerung sollen daran leiden, und der angekündigte Durchbruch in der Therapie durch Antidepressiva, das Erscheinen von kausal wirkenden, auf Hirnforschung begründeten Pharmaka auf dem Markt ist ein Grundstein einer überwiegend biologisch orientierten modernen Psychiatrie geworden. Durch das Plazeboprinzip ist der Weg zur Wiederkehr von Psychologie und Psychotherapie in die Psychiatrie auch theoretisch eröffnet, die verneinte Möglichkeit von psychosozialer Krankheitsursachen und Therapie wiederhergestellt.

Der grosse Erfolg von Naturmedizin, fernöstlichen Heilpraktiken und Homöopathie kann durch die neue Auffassung von Plazebo in ein neues Licht gestellt werden, und die Ärzte heute müssen wahrnehmen, dass sie in ihrer Tätigkeit absichtlich oder unabsichtlich häufig Plazebo verwenden.

Darum ist es ein grosser Verdienst der Bundesärztekammer, dass ihr Wissenschaftlicher Beirat beauftragt worden ist, ein umfassendes Handbuch und zu gleicher Zeit ein praktisches Kompendium über Plazebo für Ärzte zusammenzustellen und zu veröffentlichen. Das Buch ist hervorragend und ein Muster von deutscher Gründlichkeit. In übersichtlicher Struktur, im Klartext, inhaltlich logisch geordneter Form ist der ganze Fragenkreis der Plazeboproblematik dargestellt, und zwar auf der Basis der relevanten Forschungsliteratur.

So ein Buch ist kaum in englischer Sprache zu finden, obwohl auf Englisch heute viele umfasssende Veröffentlichungen über Plazebo erscheinen. In diesem Buch sind z.B. solche Themen, wie die Rechtslage der Verwendung des Plazebos, Plazebo bei Nicht Einwilligungsfähigen, Plazebowirkung in Kindes- und Jugendalter, und überhaupt die ethische Seite der Benutzung von Plazebo in der Therapie und in der Forschung methodisch und kritisch erörtert und überprüft, in zehn Kapiteln, mit einem nützlichen Glossar und Anhang. Ein reiches, fast vollständiges Literaturverzeichnis befindet sich am Ende von jedem Kapitel. Begriffe sind überall im Buch sorgsam definiert, die Schlussfolgerungen sind immer nüchtern, und alle Behauptungen sind gut dokumentiert.

Bei den interessantesten und lehrreichsten Teil des Buches handelt es sich um Erklärungen des Plazeboeffekts. Offensichtlich gibt es mehrere psychische und psychosomatische Mechanismen, die im Nervensystem und im Körper Veränderungen verursachen, und wahrscheinlich kumulativ Plazeboeffekte auslösen. Klassische Konditionierung, einige Persönlichkeitsmerkmale und Dispositionen der Patienten, der Kontakt und die Kommunikation des Arztes mit dem Kranken (ein noch immer nicht genug in der Medizin verstandenes und erforschtes Problemgebiet), das Phänomen „die Droge Arzt”, wie es Michael Balint genannt hatte, der suggestive Einfluss der Situationen (Gegenstände, Zeichen usw.), die Gesundheitsversorgung, mit den üblichen komplexen visuellen Reizen und zwischenmenschlichen Ritualen, Bereitschaften und Einstellungen von Patienten, die durch Weltanschauungen, Mentalitäten (z. B. die „New Age” Mentalität) vorgeprägt und bestimmt worden sind, tragen dazu bei, dass Plazeboeffekte sich prozesshaftig manifestieren oder Nozeboreaktionen entstehen, d.h. Misstrauen, Zweifel, Angst und Unsicherheit das Wunder der Heilung beeinträchtigen.

Fazit: Plazebo ist wirksam, kann prinzipiell vorhanden sein, aber seine Dosierung ist noch nicht bekannt. Eine Plazebotherapie ist nicht zu empfehlen, weil die Echtheit und Überzeugung des Arztes nicht durch rationale Erwägungen ersetzt werden kann.

Dieses Buch sollte ein jeder Arzt lesen, überdenken und auf seine Praxis beziehen, um durch die im Plazeboproblem innewohnende heilende Psychologie zum Nutzen der Patienten besser anwenden zu können.

Placebo in der Medizin. Herausgegeben von der Bundesärztekammer auf Empfehlung ihres Wissenschaftlichen Beirats. 2011. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln, 193 Seiten,
ISBN: 978-3-7691-3491-9


Bela Buda
Dr.med.Béla Buda
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (ECP)
Budapest, Ungarn

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